Der Motorrad-Führerschein

Wie macht man einen Motorrad-Führerschein und was kostet der ganze Spass?
Zu allererst: Dies hier sind persönliche Erfahrungen, ich erhebe keinen Anspruch auf Richtig-, Vollständig- oder absolute Allgemeingültigkeit.

Ich gebe diese Infos nur als groben Überblick, damit jemand der noch gar nichts damit zu tun hatte, vielleicht eine bessere Vorstellung davon bekommt, was ihn erwarten könnte. Wenn jemand Kritik, Einwendungen oder Verbesserungsvorschläge hat: nur zu. ;)


Fahrschul-Anmeldung
Führerschein-Antrag
Theorie-Unterricht
Theorie-Bögen
Fahrstunden
Theorie-Prüfung
Praktische Prüfung
Ausrüstung
Kosten


{short description of image} Fahrschul-Anmeldung ^
Zu allererst muss man sich bei einer Fahrschule anmelden und einen Ausbildungs- vertrag unterschreiben, damit kommen dann schonmal Anmeldegebühren auf einen zu. Der Vertrag muss sein wegen der Versicherung, wenn beim Fahren etwas passiert.

Mit meiner Fahrschule hatte ich vereinbart, dass ich erstmal ein paar Fahrstunden nehme und falls ich dabei feststelle, dass das alles nichts fuer mich ist, dann bekaeme ich die Anmeldegebühr wieder zurück. Im Zweifel nachfragen!

Zur Wahl der Fahrschule: Ich hatte mir per Internet die Kosten bei den einzelnen Schulen rausgesucht und war erstaunt, wie gross die Unterschiede doch waren. Ich habe den kostengünstigsten und mir bekanntesten Anbieter gewählt (man sieht die Wagen ständig in der Stadt), weil ich mir dachte, die haben viele Schüler und werden also auch dementsprechend viele durch die Prüfung bringen.


Ob dieser Gedankengang so zutreffend sein muss, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt, aber ich habe jetzt meinen Lappen und das ist, was für mich zählt! Zudem habe ich auch schon einen weiteren schwulen Biker kennengelernt, der auch bei denen war. :)


{short description of image} Führerschein-Antrag ^
Das nächste, was dann ganz wichtig ist, wenn man sich klar ist, dass man den Lappen machen will: so schnell wie möglich den Antrag auf den Führerschein abgeben! In Frankfurt stellt man den im Bürgeramt der Stadt Frankfurt.

Ab diesem Zeitpunkt sind 'die Papiere' auf dem Weg durch die Bürokratie und erst wenn 'die Papiere' wieder da sind, kann man sich überhaupt erst zur theoretischen oder pratkischen Prüfung anmelden.

Bei mir hat das Bearbeiten der Papiere 6 Wochen gedauert und erst NACH diesen 6 Wochen konnte ich mich zur theoretischen Prüfung anmelden.

Was braucht man für den Antrag: Einen aktuellen Sehtest (nicht Älter als zwei Jahre glaube ich) und wer noch keinen Auto-Führerschein hat, braucht auch noch eine Bescheinigung über die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs!


{short description of image} Theorie-Unterricht ^
Das nächste was man machen muss, sind die Theorie-Stunden 'absitzen'.

Wer einen Auto-Führerschein besitzt, muss 6 Stunden aus dem 'normalen' Repertoire hören, wo auch die ganzen 17-jährigen Kinder drin sitzen und wo man all das hört, was man schon längst wieder vergessen hat.

Wer den Auto-Lappen noch nicht hat, muss alle 12 Theorie-Themen hören.

Dazu kommen noch 4 Stunden Motorrad-Theorie, die dann mal wirklich interessant sind!


{short description of image} Theorie-Bögen ^
Desweiteren kann man sich die Theorie-Bögen für die 'normale' und die Motorrad-Theorie zulegen und die zuhause durcharbeiten (ich empfehle es auf JEDEN FALL!!!).

Wer den Auto-Führerschein schon gemacht hat, wird sich bereits dran erinnern: es geht hier 'nur' ums Auswendiglernen der Fragen, die in der Prüfung dran kommen können, damit man so wenig Fehlerpunkte wie möglich macht. Ohne diese Bögen hätte ich die Theorie bestimmt nicht bestanden!


{short description of image} Fahrstunden ^
Und dann kommen wir zum wirklich netten Teil: Motorrad-Fahren! Offiziell muss man 12 Pflichtstunden absolvieren: 5 Autobahn, 4 Überland und 3 Nachtfahrten.

So ganz getan ist es damit allerdings natürlich nicht, der Fahrlehrer entscheidet, ab wann man fit für den Strassenverkehr ist, am Anfang fährt man also erstmal nur 'auf dem Platz', bei mir war der Platz vor der Eissporthalle.

Und natürlich entscheidet auch der Prüfer, ab wann man bereit für die Prüfung ist.

Zudem muss man bei der praktischen Prüfung eine Reihe von Fahraufgaben absolvieren, die auch trainiert werden wollen. Hat man diese nicht in den normalen Fahrstunden absolviert, kommen diese Übungsstunden noch dazu!

Nun mal Tacheles:
Die ersten zwei Doppelstunden habe ich mit meinem Fahrlehrer auf dem Platz erstmal das Motorrad und das Fahren kennengelernt. Kurven fahren, Anfahren, Anhalten, Maschine wenden, Schalten, Bremsen ... alles ziemlich basic, aber nötig, wenn man den Frankfurter Stadtverkehr kennt.

Die nächsten zwei Doppelstunden ist mein Fahrlehrer mit mir durch den Stadtverkehr gefahren, ohne sie als Pflichtstunden zu werten, was ärgerlich war, aber na gut. Da ging es dann um Vorfahrt beachten, Anfahren und schauen, ob ich dem Strassenverkehr gewachsen bin. Diese vier Stunden hätte man sich in meinen Augen auch sparen können.

Danach habe ich mit meinem Fahrlehrer die 12 Pflichtstunden absolviert, bei denen dann das Fahren von mal zu mal besser wurde.

Zum Schluss kamen die Übungsstunden für die Fahraufgaben der praktischen Prüfung. Das hat länger gedauert, als ich gedacht hätte. Dafür habe ich nochmal 7 Fahrstunden gebraucht.

Die Aufgaben sind:
Slalom in Schrittgeschwindigkeit, zwei Slaloms bei 30kmh mit verschiedenen Abständen der Pylone, einem Hindernis ausweichen mit und ohne Abbremsen, eine Vollbremsung aus 50kmh, eine Strecke in Schrittgeschwindigkeit fahren und Stop-and-Go-Fahren (das heisst: Anfahren, Abbremsen, Fuss links absetzen, Anfahren, Abbremsen, Fuss rechts absetzen, Anfahren, Abbremsen, Fuss links absetzen, Anfahren, Abbremsen, Fuss rechts absetzen).

Die schwierigste Übung dabei ist der Slalom in Schrittgeschwindigkeit, weil man ständig Angst hat zu schnell zu fahren, oder aber Hinzufallen, weil man zu langsam fährt.
Mich hat es dabei zweimal mit dem Bike hingeschmissen, einmal hab ich den Lenkhebel dabei gefetzt, aber es kam kein negativer Kommentar meines Fahrlehrers sondern beruhigende Worte.
Was besonders ärgerlich war: mich hat es in der vorletzten Stunde vor meiner Prüfung wieder auf den Boden gelegt, weil ich einfach beim Schrittslalom zum Stehenbleiben die Vorderrad-Bremse gezogen habe.
Ganz böse Falle, die Maschine macht nen Ruck nach vorne, bekommt einen Impuls zum Kippen, den man auch kaum noch mit den Füssen auffangen kann und schon liegt man unter dem Bike.
Erst der Tipp mich beim Fahren etwas weiter nach vorne zu beugen, damit meine Arme etwas geknickter und somit mehr Spiel zum Lenken da ist, hat mir den Schrittslalom etwas einfacher gemacht.


{short description of image} Theorie-Prüfung ^
Nachdem ich die Bögen alle mindestens dreimal durchgemacht hatte und die fehleranfälligen Fragen bis zu 6 mal, war ich mir bei der Prüfung ziemlich sicher. Man bekommt einen Bogen 'normale' Theorie und einen Bogen Motorrad-Theorie.
Man darf, glaub ich, nicht mehr als 6 Fehlerpunkte machen, aber nachdem ich die Bögen förmlich selbst schon hätte niederschreiben können, war das kindereinfach! Für die Theorie kann man Lernen! Für die praktische braucht man einfach Übung! ... und Glück!


{short description of image} Praktische Prüfung ^
Kleiner Tip am Rande: die praktische Prüfung kann frühestens zwei Wochen NACH der theoretischen Prüfung erfolgen (zumindest wars bei meiner Fahrschule so), klärt also möglichst früh mit Eurem Fahrlehrer und der Fahrschule, wie der Fahrplan für die gesamte Ausbildung sein sollte, wann, wo, wieviele Fahrstunden gemacht werden und wie die Prüfungstermine liegen ... nur so kommt ihr wirklich ohne Unterbrechungen und ohne viel Zeitverlust zu Eurem Lappen.

Ich wurde zusammen mit einem anderen geprüft, wir sind mit dem Fahrlehrer eine halbe Stunde vorher zum Platz gefahren und haben eben die ganzen Übungen nochmal abgefahren, damit wir beide wieder ein Gefühl fürs Fahren kriegen, bevor wir jedoch alles einmal probiert hatten, war der Prüfer schon da.

Na gut ... ich hab die Übungen angefangen und alles hat direkt beim ersten Versuch geklappt (man darf jede Übung einmal verpatzen und hat einen zweiten Versuch), auch wenn ich bei der Vollbremsung wohl etwas zögerlich war. Der Prüfer war gnädig.

Dann hat mein Prüfungskollege den Parcours abgelegt und auch bei dem klappte das einwandfrei, obwohl er noch nervöser war als ich.
Dann hat der andere die Strecke gefahren und musste mega viel 30er Zone durch Preungesheim fahren und ich dachte schon 'Oh Gott, wird das anstrengend!'
Als wir das Motorrad wechselten fing es gerade an zu nieseln und als ich dann fuhr, regnete es richtig. :(
Ich fuhr das Bike zurück zur Autobahn (A661) Auffahrt Bonames und stand dann im Stau bei Stop-and-Go hinter einem LKW und konnte den Hagel auf mich niederlassen gehen.
Der Prüfer war sehr gnädig und hat mich direkt bis zur Friedberger Ldstr. fahren lassen und die Maschine direkt wieder zur Fahrschule zurück, weil er mich wohl nicht so nass fahren lassen mochte.
Also hatte ich Glück, eine sehr einfache Fahrt (vom Regen und Hagel mal abgesehen) und da der Prüfer bei einem Fehler meinerseits mal kräftig die Augen zudrückte, habe ich den Lappen doch bekommen.
Glück gehabt!!!


{short description of image} Ausrüstung ^
Stichwort: Handschuhe, Helm, Klamotten: Also die meisten Fahrschulen werden Helme oder vielleicht sogar auch Jacken und Handschuhe haben, die sie Euch für die ersten Fahrten leihen können (Nachfragen!), aber im Grunde will man sich das dann natürlich schon lieber selber kaufen, als so ein versifftes Zeug ...
Also ich hatte das Glück, daß mir ein Freund erstmal einen Helm und eine einfache Lederkombi leihen konnte, die für die ersten Fahrten okay war.
Ich hab mir jedoch schnell einen eigenen Helm und eine ordentliche Lederkombi mit ordentlichen Protektoren gekauft, da ich bei einem etwaigen Sturz bestmöglich geschützt sein wollte.
Das kostet natürlich auch was. Da kann ich in Frankfurt nur Louis empfehlen (ein Geschäft für Motorrad-Bedarf), da bekommt man viele Sachen ziemlich kostengünstig!
Empfehlenswert ist auch der Louis-Resteshop direkt nebenan, da bekam ich meine Lederkombi 50% runtergesetzt. :-)


{short description of image} Kosten ^

Was habe ich jetzt also insgesamt für meinen Motorrad-Führerschein ausgegeben und welche Folgekosten ergeben sich noch durch das Motorrad-Fahren?

Stadt Ffm
6,00 € Sehtest
43,00 € Führerscheinantrag

Fahrschule
129,00 € Grund-/ Anmeldegebühr
25,00 € Theoriebögen
468,00 € 12 Sonderfahrten a 39.-
493,00 € 17 Übungsfahrten a 29.-
60,00 € Theorieprüfungsgebühr
200,00 € Praxisprüfungsgebühr

Ausrüstung
9,95 € Nierengurt
19,95 € Handschuhe
59,95 € Stiefel
16,95 € Regenkombi
435,90 € Helm (Helme gibt es auch für weniger Geld, mir passte halt der nunmal am besten, muss jeder selbst ausprobieren!)
299,95 € Lederkombi

Zulassung, Versicherung und Steuer
32,40 € Zulassung und Kennzeichen fürs Motorrad
140,00 € jährlichMotorrad-Haftpflicht bei der DA-Direkt
ca 50 € jährlich Steuern für ein 600ccm Bike

Motorrad
ca 3500€
bis 7000 €
Typische Einsteiger-Bikes sind Motoräder mit 600 ccm Hubraum. Es gibt eigentlich alle Arten, also Enduro-, Sportler- oder klassische Naked-Bikes in dieser Klasse. Neu oder Gebraucht hängt vom Geldbeutel ab. Wer Bares hat, kann günstig eine gute Gebrauchte kaufen. Neue Maschinen werden heute über die Händler mit erstaunlichen Finanzierungen angeboten, das hängt aber immer vom Modell und vom Hersteller ab!