ABS - nur was für Weicheier?

Die Statistik (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft) belegt es: Motorräder ohne Antiblockiersystem (ABS) kosten pro Jahr mindestens 70 Bikern in Deutschland das Leben. Und weitere 3.000 wären ohne Verletzungen davongekommen, wenn ihr Bike mit ABS ausgerüstet gewesen wäre.

Bei Motorradunfällen ist es oft entscheidend, ob der Biker vor dem Aufprall z. B. auf ein Auto auf dem Boden gestürzt ist oder ob er noch auf seiner Maschine sitzt. Die Überlebenschancen sind ungleich höher und das Verletzungsrisiko dementsprechend geringer, wenn der Motorradfahrer beim Aufprall auf ein Hindernis (dank ABS-Bremsung) noch aufrecht auf seinem Bike sitzt.

Wir alle wissen, dass insbesondere das Vorderrad beim Bremsen nicht blockieren darf, wenn man das Motorrad aufrecht halten will. Aber selbst geübte Fahrer überbremsen ihre Maschine in Schrecksituationen leicht und kommen so zu Fall - oder sie verschenken wertvollen Bremsweg, wenn sie die Bremse lösen müssen, um das Fahrzeug wieder zu stabilisieren.

Bereits 1988 kamen die ersten Motorräder mit ABS auf den Markt. Damals wurde dies als wichtigste technische Errungenschaft seit Einführung der Scheibenbremse gefeiert.

Die Motorradhersteller bestätigen mittlerweile aber die These, dass "Kunden des Supersportlers 900 Fireblade eher die Marke wechseln würden, als ihr Sportgerät mit der vermeintlichen "Weichei-Bremse" auszustatten." Einige Hersteller haben deshalb ABS-Motorräder wieder aus dem Programm genommen. Leider muss man daneben noch feststellen, dass ABS in der Regel nur gegen einen Aufpreis von DM 1.000 - 2.000 zu bekommen ist.

Nachgewiesen ist, dass der Bremsweg mit ABS deutlich kürzer ist, als bei normalen Systemen.

Aber auch mit ABS ist man noch nicht automatisch auf der sicheren Seite: nur wenige Fahrer haben ihr ABS, soweit denn überhaupt vorhanden, jemals ausprobiert geschweige denn, sich damit vertraut gemacht. Es kann im Ernstfall zum Problem werden, wenn der Regler plötzlich einsetzt und beim spürbaren Vibrieren des Bremshebels vor Schreck die Bremse wieder losgelassen wird.

Deshalb sollte auch die ABS-Bremsung geübt werden (selbstverständlich nur auf Verkehrsübungsplätzen oder sonstigen Strecken ohne "normalen" Verkehr).

Das Fahren mit einem ABS-ausgestattetem Motorrad sollte trotzdem nicht zu riskanter Fahrweise verführen, das Überbremsen in Schräglage kann auch mit ABS schief gehen!


Quellen: Frankfurter Rundschau, Ausgabe 13./14. Juni 2001, Nr. 135
WDR Servicezeit, Sendung vom 28. April 1998
Spiegel-Online, 4. April 2000





Auf den Punkt zu gebracht:


Wenn Du so einen schicken "Stoppi" nicht im Repertoire hast, wird Dir ABS eine gute Unterstützung sein!



Volker Mast