Fahren im Regen:

Voll 'reinlangen ist bei regennasser Fahrbahn nicht jedermanns Sache - meine auch nicht, denn ich habe meine Lektion gelernt.
Es war vor einigen Jahren in den See-Alpen. Wir fuhren im strömenden Regen eine winzige Paßstraße hinauf und der Regen wurde nun auch noch von dichtem Nebel begleitet.

Ich saß dick eingepackt auf meiner Maschine und es wurde mit zunehmender Höhe langsam unangenehm, denn die feuchte Kälte kroch in die Klamotten. Die Straße führte in vielen engen Kurven an einem bewaldeten Berghang hinauf und immer wieder überquerten wir kleine Brücken. Ich fuhr schon recht langsam und trotzdem konnte ich in einer Linkskurve nach einer Brücke, die mit ihrem Geländer den Blick auf die Straße verdeckte, dem lehmigen Belag der über die Straße gespült wurde, nicht mehr ausweichen und als mein Vorderrad darauf kam lag ich.

Es ging blitzschnell. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich in die Bremse gegriffen habe oder nicht, jedenfalls schmerzte der Fuß und die Maschine sah gar nicht gut aus. Nun, wo lag der Fehler? Ich kann es nicht sagen. Tatsache ist, unsere Etappe an diesem Tag war zu lange, in keinem Fall den Wetterverhältnissen angepaßt und ich hätte mit Überspülungen der Straße rechnen müssen, das ist klar. Wahrscheinlich war ich auch zu schnell!

Aber man kann bei Regen eigentlich ganz gut fahren, wenn man ein paar Punkte beachtet:

Die Haftung der Reifen ist natürlich deutlich reduziert. Als Fausregel kann man sagen: ungefähr auf die Hälfte. Besonders schwierig sind die großen Haftungsunter- schiede auf den unterschiedlichen Unter- gründen, z.B. auf weißen Markierungen, Kanaldeckeln oder Straßenbahnschienen innerhalb von Städten und nicht zu vergessen auf den gehassten Bitumen- flicken.

Überraschend ist, wenn nach längerer Trockenheit beim Einsetzen von leichtem Regen plötzlich der Straßenstaub zu einer schmierigen Schicht auf dem Asphalt wird. Aber Regen hat auch seine guten Seiten. Ein gelegentlicher ordentlicher Schauer hält die Straßen sauber. Weniger überraschend, aber nicht weniger gefährlich, ist das fallende Laub im Herbst.

Bremsen ist auch so eine Sache. Bei regennasser Fahrbahn haben die meisten doch ziemlichen Respekt und neigen dazu, aus Angst vorne zu überbremsen, eher die Hinterradbremse einzusetzen. Doch das geht früher oder später schief. Die Bremswege verlängern sich ernorm und wenn es darauf ankommt, genügt die hintere Bremse alleine bei weitem nicht.

Man muß sich mit seinem Motorrad vertraut machen und sich an die Haftungsgrenze langsam herantasten, auf trockener wie auch auf nasser Fahrbahn ist das leider nicht zu umgehen. Bei einer Schreckbremsung ist die Gefahr des Überbremsens am größten.

Der Druck auf die Bremse sollte nie schlagartig erfolgen, sondern gleichmäßig und mit steigender Handkraft. Das führt zu einer Lastver- schiebung auf das Vorderrad und mit steigender Last ergibt sich auch eine größere Haftung.

Zur Kurventechnik ist meiner Meinung nach nur zu sagen, die Geschwindigkeit muss stimmen. Für den Normal-Fahrer sind Reserven die beste Versicherung. Da wo Profis ihre Maschinen im Slide cool abfangen, läge ich schon lange im Graben. Wichtig ist, hektische Korrekturen vermeiden und einen runden Fahrstil hinzulegen in angepasster Geschwindigkeit.

Dann kommt es auf der Autobahn zu keinen Problemen mit Aquaplaning.
Ja, das gibt's auch beim Motorrad. So ein fetter sportlicher 190'er mit geringem negativen Profil, also nur dünnen Einschnitten, kann unter der Antriebslast in einer wassergefüllten Spurrille locker durchdrehen.


Natürlich trägt zum relaxten Umgang mit dem Wetter auch eine vernünftige Ausrüstung bei, aber das ist ein anders Thema.


Und nach einer anstrengenden Regenfahrt ist eine heiße Dusche oder ein dampfendes Vollbad das Beste gegen nachhaltige Folgen und grippalen Attacken. Da braucht's für einen ruhigen Schlaf nicht mal ein Glas Rotwein. Obwohl - kann der eigentlich schaden?